Instrumente für Berater und Unternehmen für ein besseres Rating bei Banken

Ausgangssituation

- Das Unternehmen hat in der Vergangenheit traditionell durch den Steuerberater nach Abschluss des Monats buchen und eine BWA erstellen lassen
- Mahnungen wurden nach Bedarf vom Unternehmen anhand von Excel-Listen geschrieben; ein Anstieg der Zahlungsziele wurde (notgedrungen) mit permanenter Kontokorrentinanspruchnahme und längeren Kreditorenlaufzeiten „beantwortet“
- Bestandskonten, Zahlungsfähigkeit und Eigenkapital wurden unterjährig nicht ausgewertet
- Eine Planungsrechnung mit laufender Aktualisierung und Soll-/Ist-Vergleich wurde nicht erstellt

Zielsetzung: Verbesserung der Unternehmenssteuerung

Oberstes Ziel: zeitnahe und ausführliche Information der Geldgeber:

- Ergebnis mit Bestandsplausibilisierung, Forderungsanalyse, etc.
- Darauf aufbauend: Prüfung Zahlungsfähigkeit / Liquiditätsstatus gem. BGH
- Planung
- Maßnahmenplan mit Auswirkungen / Verantwortlichkeiten und Fristen
- Markt, Wettbewerb, Geschäftsführung

Informationspolitik

Der zuständige Banker gehört i.d.R. der Abteilung Vertrieb an; für jede Aktion benötigt er die Zustimmung der Marktfolgeabteilung. Dafür muss er detaillierte Entscheidungsgrundlagen aufbereiten. Dies gelingt ihm nur, wenn er aktuelle und aussagefähige Unterlagen/Daten vom Unternehmen hat. Bei Negativmerkmalen (Kto-Überschreitungen, Retouren, etc.) kann eine Abgabe an den Intensivbereich der Bank erfolgen. Der bisherige Banker hat dann hausintern ein Problem, wenn die Datenlage bei der Bank über das Unternehmen veraltet und unvollständig ist.
Mehr noch als früher wird heute die Managementfähigkeit des Unternehmers auch daran bemessen, wie er zahlenmäßig sein Unternehmen „im Griff hat“. Bauchentscheidungen verlieren stark an Akzeptanz.

Optimaler Ablauf Zusammenarbeit Steuerberater / Unternehmen:

- Zugriff elektronisch auf Kontoauszüge des Mandanten
- Buchung dekadenweise oder halbmonatlich mit jeweils Erstellung OP-Listen Debitoren und Kreditoren
- Service-Angebot: Erstellung Mahnvorschlagsliste und Mahnungen nach jedem Buchungslauf (Rating-Pluspunkt!)
- Möglichst Unterlagentransfer per digitalem Buchen zum Steuerberater – Abschaffung der „Pendelordner“!
- BWA mit SuSa liegt somit zum 2. oder 3. des Folgemonats komplett vor; OP´s gibt es mindestens 1 X untermonatlich und zum Ende des Monats

Fazit: die früheren Zeitabstände gehören der Vergangenheit an – heutzutage erfolgt eine zeitnahe Verbuchung im laufenden Monat.

Wenn doch noch wie früher verfahren wird, gibt es Ratingabschläge bei der Bank. Berater tut sich und dem Mandanten keinen Gefallen, an dem altmodischen Verfahren festzuhalten!
Nur zeitnahes Buchen gewährleistet aktuelle Zahlen.

Aussagefähigkeit von Monatsabschlüssen

- Die monatliche FiBu muss zu einem Monatsabschluss erweitert werden
- BWA
- GuV sowie Bilanz
- Kontennachweis
- Ergebnisabweichungen durch sogenannte „Schlussbuchungen“ müssen vermieden werden

Daraus folgt monatliche Buchung von:
- Bestandsänderungen
- AfA
- Forderungswertberichtigungen
- Kalkulatorischem Steueraufwand

Gruppenabschlüsse sind notwendig

Besteht eine mittelständische Unternehmensgruppe, sollte zumindest vierteljährlich eine konsolidierte Gruppenauswertung erstellt werden.
Für die Bank ist die Unternehmensgruppe eine Risikogemeinschaft, die zusammen mit ihren Außenbeziehungen zu betrachten ist. Daher muss eine Konsolidierung erfolgen, um die „heiße (Gruppen-)Luft“ zu beseitigen, die sich in den Einzel-BWA´s ggf. durch die Intercompany-Beziehungen befindet.

Hierzu müssen einmal zu Beginn mit Mandant und Mitarbeiter im Steuerbüro die Grundlagen besprochen werden, danach stellt eine z.B. quartalsweise Konsolidierung keine Schwierigkeit mehr dar:

- Trennung Konten in Intercompany/Fremde
- Monatliche Saldenabstimmung
- Konsolidierungstechnik

Planungsrechnung für KMU mit Aktualisierung für regelmäßiges BWA-Meeting:

Wie müssen Planungen heutzutage aufgebaut sein?

Integrierte Planungsrechnung monatlich für das laufende Jahr mit:
- Ergebnisplanung (GuV)
- Liquiditätsplanung
- Bilanzpostenplanung

Wie berät hierbei der Berater?

- Die erforderliche Unternehmensplanung muss monatlich revolvierend aufgebaut sein, d.h. die aktuellen IST-Zahlen werden immer für den aktualisierten forecast eingearbeitet; genauso neuere Erkenntnisse wie Umsatzrückgang, gesunkene Finanzierungslinien, etc.
- Um Haftpflichtgefahren zu vermeiden, sollte der Steuerberater – neben einer klaren Definition seines Auftrages – daher in monatlichen Meetings mit dem Mandanten die Aktualisierung der Planung, den Soll-/Ist-Vergleich und die Maßnahmen besprechen (sog. BWA-Meeting).

Erfüllung von ratingbasierten Covenants in Kreditverträgen

Die meisten modernen Kreditverträge oder Mezzanineverträge beinhalten die Vereinbarung sogenannter Covenants, also die Mindesteinhaltung bestimmter Kennzahlen.

Bei Unterschreiten können die unterschiedlichsten Folgen vereinbart sein:
- Nachbesicherung
- Höherer Zins
- Entsendung eines Recovery Managers
- Kündigung (!)

Darüber hinaus sehen die meisten Kreditverträge etliche Auflagen und Nebenbedingungen vor, z.B.
- Nachbesicherung, wenn andere Banken Sicherheiten gestellt bekommen
- Nachbesicherung bei weiteren Krediten anderer Banken
- Kündigungsrecht, wenn mit Gläubigern Moratorien vereinbart werden
- etc.

Umsetzungsberatung des Beraters

Die gute Informationspolitik des Unternehmens ist die zentrale Aufgabe des Steuer/ Unternehmensberaters!

Auf diesem Feld werden künftig Mandate gewonnen – oder verloren an die Kanzleien, die diese Zeichen erkannt haben und serviceorientiert umsetzen. Empfehlungen der Banken werden zunehmend nur zugunsten der Berater ausgesprochen, die dafür sorgen, dass die Unternehmen Ihre Gläubiger gut, zeitnah und umfassend mit den benötigten Informationen versorgt.

Der hierzu erforderliche Service des Steuerberaters umfasst aber bedeutend mehr als „nur“ Buchhaltung und Abschluss mit Steuererklärung! Zusätzliche Leistungen, die auch gesondert vergütet werden sollten, sind:
- Erstellung eines vernünftigen Reporting-Packages
-Debitorenmanagement (2-3 OP´s pro Monat, Erstellung Mahnungsvorschlagslisten und ggf. auch Mahnungen)
- Monats-Bilanzstatus
- Planungsrechnungen mit Aktualisierungen
- BWA-Meeting zur qualitativ notwendigen Diskussion der Planungsrechnung (unbedingt zur Vermeidung von Haftpflichtgefahren!)

Kreditvertragsinventarisierung mit Überwachung Covernants und Auflagen

Grundsatz: die beschriebenen Serviceleistungen sind nicht Buchführung und daher nicht mit dem FiBu-Honorar abgegolten.

Bei Unternehmen sollte das Verständnis vorhanden sein, dass der Zugang und die Kosten für Kredite zunehmend schwieriger werden, d.h. die Banken erwarten heute wesentlich mehr als früher zeitnahe und transparente Informationen zur Erhaltung der Kreditfähigkeit.

Insbesondere bei Unternehmen ohne eigenes Risk- Management werden somit die Leistungen des Steuer/Unternehmensberaters zwingend notwendig um eine nachhaltige Liquiditätsversorgung und Aufrechterhaltung des Unternehmens zu gewährleisten.

Urheberrechte von Dr. Michael Bormann; Steuerberater und Partner von bdp Bormann –Demant & Partner Wirtschaftsberater, Steuerberater und Rechtsanwälte Sozietät
www.mbdp-team.de

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