Neues Bewusst-Sein im Unternehmen

MitarbeiterInnen verlagern ihren Fokus vom WIR zum ICH.

Das Management ist zu einem neuen Bewusst-Sein herausgefordert, um diese Veränderung im Unternehmen integrieren zu können.

Der Mensch verschiebt seinen Konzentration vom WIR zum ICH. Er/Sie ist immer weniger an der Gemeinsamkeit eines zweckorientierten Kollektivs (Unternehmen, politische Gruppierung, Familie, usw.) interessiert. Was in steigendem Ausmaß zählt, ist das Bewusst-Sein auf die eigene Person. Während früher ein Team geachtet hat, ob das neue Mitglied zur Gruppe passt, achtet heute das neue Mitglied, ob das Team zu ihm passt.

Das zunehmende ICH-Bewusst-Sein des Einzelnen kanalisiert in einem ausgeprägten Egoismus. Werbe-Slogans wie z.B. „…weil ich es mir Wert bin.“ oder „Hier bin ich Mensch. Hier kauf ich ein.“ verbinden Produkte mit einer Wertsteigerung des Egos und werden sehr gut angenommen. Sie entsprechen exakt dem, was die Menschen derzeit suchen. Der Individualismus hat den Kollektivismus abgelöst.

Als Konsequenz verlieren die in der Vergangenheit gewachsenen Systeme ihre Gültigkeit. Nicht nur, aber besonders in Unternehmen löst sich der gewohnte Zusammenhang von Macht und Verantwortung auf. Die MitarbeiterInnen möchten selbst bestimmen und eigen-verantwortlich sein, um ihr ICH-Bewusst-Sein entwickeln zu können. Aus diesem Grund lehnen sie das von übergeordneten Stellen vorgegebene „Richtig und Falsch“ immer mehr ab. Für sie ist es zur Zwangsjacke geworden und nimmt ihnen die Luft zum Atmen.

Zusätzlich werden die Vorgaben machttragender Stellen (Geschäftsleitung, Investoren, Führungskräfte, usw.) noch leistungsorientierter und schränken den persönlichen Raum weiter ein. Neben Burnout, psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen der ArbeitnehmerInnen sind steigende Grenzkosten mit gleichzeitig sinkendem Ertrag die Folge.

Herausforderung des Managements
Zukünftig muss neben den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital der Faktor Bewusst-Sein mitberücksichtigt werden. Es gilt, eine Umgebung zu schaffen in der sich die MitarbeiterInnen durch eine adäquate Macht und Verantwortung maximal entfalten können. Dafür braucht es aber ein neues Bewusst-Sein des Managements, das über die Polarität von Aufwand und Ertrag, d.h. über die direkten wirtschaftlichen Zusammenhänge, hinaus denkt und den Menschen als Mittelpunkt seiner Tätigkeit sieht. Abgesehen von der aktuellen Notwendigkeit können dadurch auch ungeahnte Potenziale im Unternehmen auf sehr einfache und kostengünstige Weise aktiviert werden.

Das Thema „eigenverantwortliche MitarbeiterInnen “ ist nicht neu. Es gibt viele Theorien und Bemühungen die Beschäftigte zu einer höheren Einbringung am Arbeitsplatz motivieren sollen. Der Erfolg ist aber meist nur gering, weil dabei die untrennbare Kausalität von „Macht und Verantwortung“ übersehen wird. Beide Pole gehören zur selben Energie und können getrennt nicht existieren. Sie brauchen sich gegenseitig. Die „Verantwortung“ von der „Macht“ zu isolieren, bietet keine Möglichkeit zur realen Umsetzung einer Aufgabe, während die „Macht“ alleine in ein herrschsüchtiges Chaos führen würde. Mit anderen Worten: Wer die Verantwortung für seine Tätigkeit übernehmen soll, braucht eine adäquate Möglichkeit zur Gestaltung dieser Verantwortung.

Fehlt eine echte Gestaltungs-Möglichkeit können MitarbeiterInnen nur verlieren, weil sie dafür gerade stehen müssen, aber „nichts tun können“. Damit werden schöpferische Menschen in eine ohnmächtige Opferhaltung getrieben, die eine schwerwiegende Auswirkung auf das Unternehmen hat und sich mit wissenschaftlichen Methoden weder erkennen, noch nachweisen lässt. Das wirkliche Problem dabei sind jedoch nicht die jüngeren MitarbeiterInnen, die aufgrund dessen das Unternehmen verlassen, sondern die verbleibenden MitarbeiterInnen. Sie ziehen ihren Fokus von ihrer Tätigkeit so weit wie möglich zurück und kündigen innerlich. Abgesehen von einer meist erheblich verminderten Leistung, speisen sie negative Energien ins kollektive Unternehmens-Energiefeld ein, die in weiterer Folge negative Auswirkungen auf die Entwicklung des gesamten Unternehmens haben. Mindestens jedoch entziehen sie dem Arbeitgeber die Konzentration ihrer Energie.

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© 2009 Heinrich Kohlmeyer. Alle Rechte vorbehalten office@metaspirit.at | Artikel „Die neue Ebene in Wirtschaft und Management“ Neubearbeitung: 11.11.2015